Ya-Hey und Ollá!....die Radler sind wieder da! Und weil Reiseberichte für Daheimgebliebene schnell auch langatmig werden können, hier die einzelnen Etappen in Kurzfassung für alle, die das "Nötigste" erfahren wollen... ;-)1.Tag: Flensburg - Holnis (26km, 3h)
(pünktliche) Anreise per Zug in Flensburg und die ersten 26km mit dem Rad bis Holnis. Ich bin in der Tat total untrainiert und mein Rad ist gefühlte 50kg schwer. Mindestens! Unser Wurfzelt wird von alteingesessenen Dauercampern begafft...Zeltaufbau in 2sek...yeah!! Wir nennen das kleine Aufbauwunder liebevoll "Quetschi"....wie war das nochmal mit den Namen und den Dingen, die einem lieb und wichtig sind? ;-). Wir läuten unser kleines Abenteuer mit einem grandiosen Abendessen im Fährhaus auf Holnis ein...mhhhhhh, lecka!! Sonnenuntergang am nördlichsten Zipfel von Holnis - der Wahnsinn!
2. Tag: Holnis - Nordgaardholz (33.36km, 4h)
Kühe...überall Kühe....und was für hübsche Dinger! Der Radwanderweg führt mitten durch Koppeln und Wiesen. Aber: Die Radwanderkarte lügt! Zumindest erwähnt sie keine einziges Bergauf...und davon gibts hier ne Menge...:-(...ich kämpfe mit meinem 3-Gang-Rad um jeden Meter, während Er im kleinsten Gang grinsend an mir vorbei radelt.....hsssmmm! Wir klauen Mais (den gibt es hier überall am Wegesrand) und verschlingen schnell die goldgelb saftigen Kolben, denn die vermeintliche Bäuerin taucht mit dem Hofhund auf...oho! Der neue Campingplatz ist der Hit...nur das Wetter nicht: Orkanböen und Unwetterwarnungen schüchtern uns ein. Wir ernten mitleidige Blicke der anderen Camper und eine Omi ruft noch: "Klopfen sie ruhig, wenn sie der Wind wegfegt...dann kommen sie eben bei mir unter..." Hilfsbereitschaft erfahren wir hier oben bei den Fischköppen übrigens zu Hauf...jeder bietet seinen Rat, seine Hilfe, seine wasauchimmer an. (Oder wir sehen einfach nur total laienhaft aus??) Jedenfalls, Nacht gut überstanden! Eine Tanne hat es entwurzelt. Uns aber nicht, "Quetschi" sei Dank.Sowieso bekommen wir viel Lob für unsere Ausstattung: Gepäcktaschen, selbstaufblasende Iso-Matten, Wurfzelt, Spannseile und co.
3. Tag: Nordgaardholz - Kappeln (36,26km, 3h)Wir fahren zügiger und ich schnaufe nicht mehr so laut bei den vielen bergaufs. ;-) Er hat bereits einige Kilos abgenommen und braucht jetzt schon ne neue Radhose. Meine Hose sitzt leider noch :-( Das Wetter wird immer schlechter und wir beschließen, den Schutz einer Jugendherberge aufzusuchen, um nicht schon nach 3 Tagen krank zu werden. Immerhin sind wir bis hierhin täglich wenigstens für 2-3h im Regen unterwegs gewesen. Wir haben zu zweit ein 6-Bett-Zimmer, teilen die Duschen und Klos mit einigen "Klassenfahrten" und Punkt 22 Uhr ist Totenstille auf dem langen Flur...Wow!!
4. Tag: Kappeln - Eckernpförde (52km, 4,5h)Wir durchqueren wunderschöne Naturschutzgebiete, ich verursache seinen ersten Sturz (sorry!) und wir erreichen die erste touristische Hochburg. Das Wetter ist nach wie vor unbändig und wir müssen einen Zwangsstop in einer Pension machen. Etagendusche und exakt 1 WC für einen ganzen Flur. Damen UND Herren....sowas gibt es also auch noch. Ich gebe zum dritten mal den vermeintlich richtigen PIN in mein Handy falsch ein und deaktiviere somit meine einzige Kommunikationsmöglichkeit. Na super! War ja klar! Außerdem macht meine rechte Hand nicht mehr, was ich will...zumindest die Hälfte davon verweigert den Arbeitseinsatz.
5. Tag Aufenthalt in EckernpfördeWir suchen schon am frühen Morgen den Strand auf und sehen zum ersten mal in unserem Leben einen Seehund in freier Natur! Die junge Seehunddame ruht sich direkt am Badestrand bereits seit 8 Wochen aus, erzählen uns Einheimische. Die kleine Speckrolle kommt bis auf 10m an einen heran....wow! In unserer Pension sind auch Kyffhäuser. Am Dialekt erkannt ;-) Unser Abendbrot ist ein Mix aus Crepés und Fischbrötchen, was mir überhaupt nicht bekommt. Das Fischbrötchen beschäftigt mich noch den ganzen Abend und schon beim Tippen des Wortes erschleicht mich eine leichte Übelkeit....:-(
6. Tag: Eckernpförde - Weissenstrand (95,95km, 8h)Der Tag, an dem ich an meine Grenzen stoße. Geplant waren ca 70km, um "mal ein bissl mehr zu reißen", wie Er meint. Zunächst durchqueren wir die Kieler Bucht mit der Fähre und kommen gegen Mittag in Laboe an. Schon wieder ein U-Boot. Der anvisierte Campingplatz liegt inmitten der totalen Einöde und ich werde überredet, doch noch "die paar Kilometer" bis zum nächsten Platz zu radeln....dieser liegt irgendwo in der Pampa direkt neben dem größten Ferienpark, den ich je gesehen habe. Wahnsinn, was man so alles in ein Niemandsland bauen kann! Mittlerweile machts auch die linke Hand nicht mehr so recht, aber gejammert wird hier nicht.
7. Tag: Weissenstrand - Strukkamphuk (55,2km, 5h)
Wir verlassen unser schönstes und vom ADAC als "Super-Campingplatz" ausgezeichnetes Nachtlager und radeln gen Fehmarn. Endlich!! Ich bin schon ganz hippelig auf die Insel und trotze dem enormen Seitenwind, indem ich die Kaputze noch tiefer ins Gesicht ziehe. Wir fahren durch Heiligenhafen, wo wir die perfekte Pasta verschlingen und ziehen weiter durchs Oldenburger Land. Wieder ernten wir begeisterte Blicke ob unseres Equipments. Unsere Packtechnik professionalisieren wir jeden morgen aufs Neue. Wir peilen einen mehrmals ausgezeichneten Ferien- und Campingpark als Ziel auf Fehmarn an und sind umso erstaunter, dass ausgerechnet dieser keinen einzigen freien Zeltplatz mehr hat. Dafür aber Tauchstationen, Erlebnisbad, einen riesigen Golfplatz, Kite- und Surfplätze sowie Indoor-Sport-Hallen. Nur eben keine 3qm für ein Zelt. Wir radeln also weiter über Fehmarn und werden im "Strukkamphuk" herzlichst empfangen. Sogar der SB-Markt hat noch auf! Zelt hingewurfen, warm geduscht und ab in die Schlafsäcke - schließlich wollen wir am nächsten Tag Fehmarn komplett umrunden.
8. Tag: Fehmarn (66,11km, 5,5h)Ein Unglück kommt selten allein. Der Tag beginnt damit, dass ich mich in den Herrenwaschraum verirre und es selbst dann nicht merke, als sich ein Mann selbstbewusst an das Waschbecken neben mir stellt und sich rasiert. Mir will gerade ein "Sie wissen aber schon, dass das hier für Damen ist, ne!?" rausrutschen, doch diese Selbstsicherheit des Surfers verunsichert mich. Beim Verlassen des Waschraumes schaue ich noch einmal auf die Türbeschriftung und gehe beschämt im Stechschritt zum Zelt zurück. Nicht ER war falsch, sondern ICH. Ich habe das Gefühl, der ganze Campingplatz zeigt mit dem Finger auf mich und kichert: "Gucka mal, die war bei den Herren drin!!" Ich hole mir Mitleid im trauten "Heim" ab und hake den Fehlstart nun doch grinsend ab.

Klärchen spielt mit und wir starten - das erste mal ohne Gepäck - die Inselrundfahrt. Ein perfekter Sonntag: blauer Himmel, Sonne pur, das allererste mal Rückenwind, geniale Radwege über Dämme oder direkt am Wasser entlang, Kitesurfer und Wasserskiläufer runden das Szenario ab. ......und dann dieser Satz: "Schatz, kann es sein, dass ich einen Platten habe?".....Natürlich haben wir ausgerechnet heute das Pannenspray, die Luftpumpr und selbst das Multifunktionsreperaturset nicht dabei, was eine direkte Schadensbehebung verhindert. Zum Glück aber habe ich die Satteltasche vom Bruderherz (Ey danke, Keule!) dabei und finde Flickzeug und einen Knochen. Nur eben keine Luftpumpe. Es folgen 2,5h in denen er schiebt und ich abwechseln nebenher rolle oder aus Kollegialität ebenfalls schiebe. Am nördlichsten Zipfel von Fehmarn (also auf exakt der Hälfte der Strecke) erreichen wir endlich einen Campingplatz mit einem geöffneten SB-Markt, der auch Luftpumpen verkauft. 5 Minuten flicken, eine Kippenlänge warten und 1 Minute Luftaufpumpen und Rad wieder einbauen. Wir können endlich weiterfahren....yeah. Ich haue großmaulig auf die Kacke a´la "Ach, es könnte schlimmer kommen....guck, Sonne strahlt, Rad wieder heile und hey, wir haben alle Zeit der Welt!"....und es kommt schlimmer: Mitten auf dem ellenlangen Deich zwischen Wulfen und Burg bricht auf uns Sommerfrischler ein Platzregen Größe XXL ein. Nichts bleibt trocken....nichts. Aus den Schuhen gießen wir das Wasser aus und selbst die Unterwäsche bleibt nicht verschont. Da hilft nur noch heiß duschen. Er bei HERREN und ich bei DAMEN.
9. Tag: Strukkamphuk - Grömitz (61km, 4h)
"Bloß weg hier!" ist mein erster Gedanke, als ich den morgentlichen Himmel betrachte. Eine riesige graue Wand peitscht Regen und Wind um unser Zelt. Erstmals haben wir echt die Nase voll vom wechselhaften Küstenwetter und die trübe Stimmung überträgt sich direkt auf unsere Gemüter. Mit langer Miene sitzen wir die Regengüsse aus und gegen Mittag dann können wir endlich einpacken und weiterfahren gen Grömitz. Dort angekommen erwecken wir offensichtlich einen äußerst mitleidserregenden Eindruck, denn statt des angefragten Zeltplatzes bekommen wir glatt einen ganzen Wohnwagen - zum Preis für den Zeltstellplatz. Ich frage mich noch, ob dieses Mitleid an den total verschlammten Rädern, unseren Wind- und Wettergetrietzen Gesichtsausdrücken oder aber an dem schlechtem Wetter liegt, da schiebt uns die alte Dame durch eine Schlippe an Schutt und Sperrmüll vorbei zu einem uralten DDR-Wohnwagen, in dem "mein Enkel immer drin spielt und der spart doch auf ein tausendeuro Rad und da vermiete ich den Wagen und das Geld kommt in die Spardose fürs Rad....gell!?". Gell???? Wir sehen uns beide erschrocken an, wollen die alte Dame aber nicht vor den Kopf stoßen und nehmen dankend die "Unterkunft" an. Immerhin gibt es einen Fernseher und nach 9 Tagen der absoluten Abstinenz (nein, auch nicht in der Jugendherberge!) übertüncht dieser die Primitivität und Verwahrlosung des alten Wohnwagens. Um einen letzten Hauch von Sauberkeit zu wahren, rollen wir die Isomatten über die Matratzen und ziehen uns die Schlafsäcke bis zu den Ohren. *grusel*
10. Tag Grömitz - Scharbeutz (52,6km, 4h)
"Bloß weg hier, looooos!"....beginnt auch dieser Tag. Wir stürzen Hals über Kopf los und bemerken das wunderschöne Wetter erst beim Brunchen auf der Strandpromenade. Wow....na endlich!!! Heute steht Timmendorf und Sealife an. Darauf freuen wir uns schon die ganze Zeit. Also so schnell wie möglich zum nächsten Campingplatz und ab ins Getümmel! Bei Camping "Neptun" erreichen wir also unsere letzte Station und wenn wir bis dahin glaubten, der Wohnwagen sei das Übelste gewesen, was es gab, so wissen wir spätestens bei Sichtung des "großen Waschhauses": Schlimmer gehts immer! Warmes Wasser suchen wir vergeblich und selbst Seife gibt es nicht. Wir schütteln grinsend die Köpfe und retten uns in die Unterwasserwelt des Timmendorfer Strandes. Wie immer ist der Besuch des Ozeaniums ein Highlight und weil wir noch keinen rechten Drang nach "Neptun" verspüren, spielen wir Minigolf auf einer absolut genialen Golfbahn. Ich bin eine echte Niete, aber dafür lachen wir unheimlich viel und aufgrund seines eingeklemmten Rückennerves beschließen wir: Morgen ab nach Lübeck, aber ganz schnell!
11. Tag: Scharbeutz - Lübeck - GöttingenGott sei Dank, der Rücken ist wieder heile! Zu gern würde ich dies auch von meinen - mittlerweile verbundenen - Händen behaupten. Wir packen also zum xten Mal alles zusammen, zurren Spannseile fest und machen den ultimativen "Wackel-Text". Es ist der Tag der großen Heimreise....yeah!!! Wir machen uns auf den Weg nach Lübeck und was uns zu Beginn unserer Reise noch als unüberwindbarer Bergauf erschien, wird nun einfach weggeradelt. Unser kleiner stetiger Begleiter, der Bordcomputer, gibt leider ausgerechnet am letzten Tag den Geist auf. Wieder werden wir von Radwanderern auf unser Equipment und das woher und wohin und wie lange angesprochen. Auf der Heimfahrt von Lübeck nach Göttingen werden wir im Zug sogar gefragt, ob wir "mit einem Trampolin durch die Gegend fahren". Lächelnd klären wir den Schwedenradler über Quetschi auf und tauschen ein bisschen Radlerlatein aus.

Geschafft!!! 514,63 km Radwanderweg, 47,5h Fahrtzeit,
7 Campingplätze, 1 Jugendherberge, 1 Pension.....
Fazit: Wow und Geil und jederzeit wieder!!! Vieles würde ich genauso wieder machen, einiges anders (man lernt ja auch dazu) und sicherlich ein besseres Wetter bestellen ;-) Komischerweise habe ich wider Erwarten keine Knieprobleme, dafür aber mit den Patschehändchen. Meine Reiselektüre hat mir eine neue Lieblingsautorin beschert - Katinka Buddenkotte. Wenn sie mir bis dato nicht völlig unbekannt gewesen wäre, ich könnte schwören, wir seien Zwillinge.....zumindest rhetorisch-gedanklich. ;-)
Zitate aus 12 Tagen Touring:"Moin, Moin, kann ich ihnen irgendwie helfen?" (Einheimische in so ziemlich jedem Ort)
"Jesus wird kommen und euch alle fi***!" (Zitat aus "Mit leerer Bluse spricht man nicht" von Katinka Buddenkotte)
"Ja Lara, nach bergauf kommt nunmal bergab..." (radfahrende Mutter zu vorausradelnder jammernder Tochter)
"Irgendwas ist ja immer!" (Er, jedesmal, wenn ich irgendwas zu jammern hatte)
"Bitte verlassen Sie diesen Raum so, wie sie ihn auch gern vorfinden möchten!" - "Soll ich da jetzt nen Aschenbecher in die Wand hacken?" (Er, nach dem vergeblichen Versuch, in einem rauchfreiem Zug heimlich auf der Toilette zu rauchen)
"Sind sie mit einem Trampolin unterwegs?" (Schwedenradler verwundert über unser rundes, 70cm Durchmesser Wurfzelt)
"Sind sie die Vorbilder unserer Kinder? Entgegen der Einbahnstraße und durch die Fußgängerzone!?" (alter störrischer Mann auf Fahhrad, lauthals kreischend in Timmedorf, weil wir "unbeabsichtigt" entgegen der völlig leeren Einbahnstraße fuhren....ich musste sofort an das Zitat aus Katinkas Buch denken ;-))